Dienstag, 14. Oktober 2014

Instinktentbundenes Mängelwesen.


Jusepe Ribera, St. Christopher

Der Mensch hat zwar Planzen-Instinkt, aber tierischen in der gegebenen Bedeutung hat er nicht. Er bedarf der freien Hilfe der Menschen und würde ohne dieselbe bald nach seiner Geburt umkommen. Wie er den Leib der Muttere verlassen hat, zieht die Natur die Hand ab von ihm und wirft ihn gleichsam hin. ... Gerade dadurch wird bewiesen, dass der Mensch als solcher nicht Zögling der Natur ist / noch es sein soll. Ist er ein Tier, so ist er ein äußerst unvollkommenes Tier, und gerade darum ist er kein Tier.  ...

Durch diese äußere Hilflosigkeit ist der Mensch an sich selbst und hier zuvörderst die Gattung an die Gattung gewiesen. Wie der Baum durch das Abwerfen seiner Frucht seine Gattung erhält, so erhält der Mensch durch Pflege und Erziehung des Hiflosgeborenen sich selbst als Gattung. So produziert die Vernunft sich selbst, und nur so ist der Fortschritt derselben zur Vollkommenheit möglich. So werden die Glieder an einander gehängt, und jedes künftige erhält den Geisteserwerb aller vorhergegangenen.

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Grundlage der Naturrechts..., SW III,
S.
81f.



Nota.
Der Mensch ein instinktentbundenes Mängelwesen, die Vernunft die Überkompensation einer Organminder- wertigkeit... das klingt nach 20. Jahrhundert. (Übrigens hat Arnold Gehlen aus seiner Herkunft von Fichte nie ein Hehl gemacht.)
JE

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